Die Frage nach den Privilegien
Wenn ich am Freitagnachmittag meine Heimreise antrete, muss ich nicht am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn Schlange stehen, denn ich habe eine Freifahrkarte für die Bahn. Und wenn ich mal ein Flugzeug nehme, um pünktlich zu einem wichtigen Termin in Berlin anzukommen, dann muss ich das Ticket nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Auch den Wagen der Bundestagsfahrgemeinschaft, der mich von meinem Abgeordnetenbüro zum Bahnhof oder zum Flughafen bringt, benutze ich gratis.
Viele sagen, die Abgeordneten genießen lauter Privilegien. Und zu diesen Privilegien zählen dann auch das Bundestagsbüro, das sich die Abgeordneten mit ihren Mitarbeitern teilen müssen. Das Geld für dieses Personal (2010: 14.712 Euro) zahlt der Bundestag bis zu dieser Obergrenze; die Büroausstattung mit PC und Schreibmaschine, Diktiergerät und Fernseher, Telefon und Telefax stellt die Bundestagsverwaltung gratis. Lauter Privilegien, sagen manche.
Aber jeder würde sich in seinem Berufsleben bitterlich beschweren, wenn man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Büroausstattung am Arbeitsplatz selbst bezahlen müsste. Sie wären zu Recht empört, wenn ihr Arbeitgeber ihnen die Kosten für Dienstreisen nicht erstatten würde. Von Privilegien ist da auf einmal nicht mehr die Rede.
Übrigens: Statistisch gesehen, kostet der Bundestag jeden Bundesbürger nur etwas mehr als 7 Euro im Jahr, alle Extras mitgerechnet. Wenn es denn Privilegien sind, dann sind es ausgesprochen preiswerte Privilegien, die der Abgeordnete da genießt.


