Im Entwurf des investitionspakets vom Ministerium fehlt Straßenbau um Großengottern
Aus der TLZ vom 23. Dezember 2011
■ Von Matthias Schenke
Großengottern. Anfang dieser Woche hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Christian Hirte über unsere Zeitung darüber informiert, dass die Ortsumfahrung Großengottern im Investitionsplan des Bundesverkehrs-Ministeriums bis 2015 steht. Das Land solle jetzt das Vorhaben zügig vorantreiben, gab Hirte aus Berlin gleich noch einen netten Ratschlag mit
Für das böse Erwachen sorgte einen Tag später Bürgermeister Thomas Kamofka (FWG). Er hatte den Plan von vorn bis hinten und von hinten bis vorn durchgeforstet, alle möglichen und für ihn zum Teil auch unmöglichen Projekte gefunden. Nur die Umfahrung für Großengottern eben nicht. Nicht einmal in der Rubrik „Weitere wichtige Vorhaben“, die nach 2015 begonnen werden.
Selbst das wäre ein Skandal, wo sich die Gemeinde doch seit der Wende massiv für die neue Straße einsetzt, so massiv, dass der Planfeststellungs-Beschluss unmittelbar bevorsteht Druck gemacht hatten die Einwohner unter anderem mit einer einstündigen Straßensperre an einem Freitagnachmittag. Politiker aller Lager hatten zudem immer wieder die Wichtigkeit des Projekts betont.
15 000 Fahrzeuge am Tag rollen durch den Ort, ein Drittel ist Schwerlastverkehr. Wie er die neue Situation seinen Einwohnern erklären soll, weiß Karnofka nicht. „Man macht sich doch unglaubwürdig“, schimpft der Bürgermeister.
Seinen Frust verstehen auch die Politiker in Berlin. Warum Großengottern nicht im Plan steht, das kann sich aber keiner richtig erklären. „Das muss einfach nur vergessen worden sein“, meint Christian Hirte. Sehr oft habe er darüber mit den Verkehrsministern des Bundes und Thüringens gesprochen und sei sich mit ihnen einig gewesen, dass die Entlastung für Gottern kommen muss.
Fried Dähmen, der Sprecher des Thüringer Verkehrsministers, Christian Carius (CDU), sieht das nicht anders. Auch er war der festen Meinung, dass die Umfahrung im Plan steht, musste sich aber korrigieren. „Wir müssen das richtigstellen, weil die Straße zwingend notwendig ist“, lässt Fried Dahmen keinen Zweifel, dass sein Minister in den nächsten Tagen in die Spur gehen und in Berlin Druck machen muss. Zu spät sei es nicht, weil der Plan erst ein Entwurf ist.

Für eine vollständige Ortsumfahrung von Mühlhausen auf der Bundesstraße 247 setzt sich Manfred Grund ein
Das sieht auch Manfred Grund so, der CDU-Bundestagsabgeordnete für die Mühlhäuser Region. „Man muss aber im Plan stehen, damit das Projekt verwirklicht wird“, fügt er hinzu. Dass zwei Abschnitte für die Mühlhäuser Umfahrung, von Höngeda bis zur B 249, in das Papier aufgenommen wurde, freut Grund. Ganz zufrieden ist er trotzdem nicht. Für die Aufnahme des dritten Abschnitts werde er sich in den nächsten Tagen in Berlin einsetzen. Und Großengottern ansprechen, auch wenn das nicht in seinem Wahlkreis liegt.
Ohne diesen Abschnitt wird sich auch mit einer Mühlhäuser Umfahrung die Fahrzeit von und nach Erfurt nicht wesentlich verkürzen. In Großengottern wäre dann wieder zäher Verkehr, unter dem die Anwohner leiden müssten. Hinter Bad Langensalza gabelt sich der Verkehr nach Eisenach, Erfurt und Gotha, hinter Mühlhausen Richtung Leinefelde und Sondershausen, erinnert Karnofka an die besondere Lage seines Ortes. Von einem „Bermuda-Dreieck” sei gelegentlich die Rede. Bloß, dass keine Schiffe, sondern eben die Unterlagen für eine neue Straße auf den Weg nach Berlin verschwinden.


Kommentar schreiben