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Mehrheit ist kein Naturgesetz

Aus der TLZ vom 25. Januar 2010

Neujahrsempfang der Heiligenstädter CDU mit Kritik an vernichtender Kritik

■Von Jürgen Backhaus

Heiligenstadt. (tlz) „Geht die Gesellschaft über den Jordan?", fragte Volker Lamprecht am Freitagabend im Vitalpark beim Neujahrsempfang des Heiligenstädter CDU-Stadtverbands. Wenn ja, so würde dies für Neubeginn und Chancen stehen, so der Vorsitzende. Denn mit der Überquerung des Jordans habe das Volk Israel auf seinem Zug ins gelobte Land die letzte Hürde genommen. Und anstatt ins Klagelied über den Untergang von Politik und Gesellschaft in der Finanzkrise einzustimmen, schilderte Lamprecht, was es braucht, um ansprechende Musik zu machen: Viele Leute, die ein Instrument spielen, ein gutes Zusammenspiel im Orchester und eine Komposition nicht unbedingt in der Tonart Cis-Moll. Die CDU habe mit vielen Entscheidungen aus ihrer Zeit der absoluten Mehrheit im Stadtrat trotz mancher Schelte Recht behalten, etwa mit dem Aufbau der Kur mit Vitalpark und Hotel oder dem Umbau der alten Schwimm-zur Stadthalle. Er wünsche sich für 2010 viele innovative Musiker, die neue Stücke einüben, und „Kritiker, die gut über Gutes reden und schreiben", so Lamprecht.

Das Stadtverbandsmitglied Dieter Althaus (Ministerpräsident a. D.) verwies darauf, dass der Optimismus der Deutschen laut einer Umfrage wieder steige, und betonte, dass 2010 wichtige Weichen zu stellen seien, um die Krise zu überwinden. Das christliche Menschenbild bewahre vor Pessimismus und dem Warten auf den Zeitgeist. Im Rückblick auf die Revolution vor 20 Jahren meinte er, die Demokratie sei die menschlichste Staatsform. Die „Ordnung der Freiheit" sei eine große Chance, aber sie fordere Verantwortung. Um die „Stimmungsmache zu durchbrechen", sollte tiefer diskutiert werden, z.B. um den Wert der Familie, so der Landtagsabgeordnete.

Auch der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Rolf Berend lobte den Wert der Demokratie: „Wir könnten es einfacher haben; war haben es einfacher gehabt." Aber das seien Diktaturen gewesen. Noch deutlicher als seine Vorredner bezog sich der ehemalige EU-Abgeordnete auf die Kritik (an Dieter Althaus?) vor und nach der Landtagswahl. Kritik müsse konstruk¬tiv sein, nicht vernichtend. Manchmal dränge sich dieser Eindruck auf: „Jeder darf sagen, was er denkt, auch wenn er nicht denken kann."

Der Bundestagsabgeordnete Manfred Grund berichtete in Bezug auf eine Aussage von Kanzlerin Merkel, es sei (erwiesenermaßen) „kein Naturgesetz, dass die CDU in Heiligenstadt die Mehrheit hat". Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl 2012 müssten bereits jetzt die Weichen gestellt und weitere Diskussionen vermieden werden, die der CDU schaden. Im kürzesten aller Grußworte dieses Neujahrsempfangs sagte Landrat Werner Henning: „Wir müssen an uns selbst glauben und schauen, was uns wichtig ist." Die Eichsfelder Christdemokraten sollten weiterhin pragmatisch ihr Handwerk tun, es sich nicht zerreden lassen - „und nicht über das Stöckchen springen, das andere uns hinhalten."

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