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Schon wieder Schönbohm

Aus der TA, 18. August 2009

Der Brandenburger CDU-Innenminister warnt erneut vor einer Verwahrlosung des Ostens

Der Wahlkampf ruht still wie ein See. Nur manchmal ziehen Kreise ihre Bahn, weil jemand Steinchen geworfen hat.

Von Wolfgang SUCKERT

POTSDAM. In der Union macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Eigentlich läuft es bestens. Die Christdemokraten haben nur vor einem Angst, dem ostdeutschen Wähler. Mit ihm kann zwar keiner Wahlen gewinnen, sie aber dafür schnell verlieren. Niemand weiß, wie viele Stimmen 2005 Angela Merkel (CDU) durch den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) verlustig gingen, weil er damals die Ostdeutschen mit Kälbern verglich, die sich ihren Metzger selber suchen.

Gestern nun war die Empörung schneller in der Redaktion dieser Zeitung als deren Ursache. Der Sprecher von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bestätigte eine Interviewpassage, in der dieser vor einer Verwahrlosung und Entbürgerlichung in Ostdeutschland warnte. Es müsse deshalb überlegt werden, was gegen eine Entkirchlichung und für eine Wiederbelebung des Christentums in den neuen Ländern getan werden könne.

Nun sind aber bei dem 71-Jährigen Wähler wie auch Parteifreunde extrem hellhörig, denn der Ex-Inspekteur des Heeres hatte 2005 nach einem neunfachen Babymord schon einmal von einer erzwungenen Proletarisierung in der DDR bramarbasiert, wofür er sich später zähneknirschend entschuldigte.

Manfred Grund, nicht nur Thüringer Landesgruppenchef der CDU und Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, sondern auch im katholischen Eichsfeld beheimatet, zeigte sich nicht amüsiert ob der Äußerungen. „Jörg Schönbohm gefalle sich offenbar darin, alle Ostdeutschen über einen negativen Kamm zu scheren", sagte er dieser Zeitung. Das sei wenig hilfreich, denn Pauschalierungen vernebeln nur die wahren Probleme.

Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Vizepräsidentin des Bundestages, meinte zu dieser Zeitung, dass Herr Schönbohm aufhören solle, die Ostdeutschen auf derart undifferenzierte Weise zu beschimpfen. „Ich wundere mich über die CDU im Osten insgesamt. Der eine, Dieter Althaus, will den Soli abschaffen und suggeriert damit, dass die neuen Länder keine Unterstützung mehr brauchen. Der andere beschimpft die Ostdeutschen und dann wollen alle, dass eine Ostdeutsche Kanzlerin wird", sagte die Thüringerin dieser Zeitung. Auch sehe sie keine Entbürgerlichung. In ganz Thüringen hätten die Menschen als Kulturbürger für den Erhalt der Kultur gegen die angeblich bürgerliche Landesregierung gekämpft, die ja die CDU stellt. „Mir scheint es eine Meinung von einem Menschen zu sein, der zwar in Brandenburg lebt, aber nie dort angekommen ist."

Unterdessen war aus Schönbohms Ministerium zu hören, dass diese Sätze so nie gefallen seien, aber dummerweise dennoch autorisiert worden sind. Wer den Ex-Generalleutnant ein wenig kennt, weiß, dass er trotzdem nur sehr unwillig zum Rückzug blasen wird.

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